TPEThermoplastische Elastomere – Typen, Eigenschaften & Einordnung
- Temperaturbereich
- typabhängig, ca. −40 bis +120 °C
- Härtebereich
- ~20 Shore A bis über 70 Shore D
- Kürzel
- TPE nach ISO 18064
- Kernstärke
- Thermoplastisch, 2K-fähig, rezyklierbar
Datenblatt TPE
Die wichtigsten Kennwerte thermoplastischer Elastomere auf einen Blick – als Richtwerte für die Vorauswahl. Eigenschaften und Beständigkeit hängen stark vom Typ ab.
| Werkstoffklasse | Thermoplastische Elastomere (TPE) – Sammelbegriff für Werkstoffe, die sich gummielastisch verhalten, aber wie Thermoplaste schmelz- und wiederverarbeitbar sind |
|---|---|
| Einordnung | TPE nach ISO 18064 – kein Kautschuk nach ISO 1629; die Elastizität entsteht durch physikalische Vernetzung (Hart-Weich-Phasen) statt Vulkanisation |
| Wichtige Typen | TPE-S/TPS (Styrol-Blockcopolymere), TPE-V/TPV (vernetztes EPDM in Polypropylen), TPU (Polyurethan-Basis) – daneben u. a. TPE-O, TPE-E und TPE-A |
| Temperaturbereich | typabhängig, ca. −40 bis +120 °C – TPE-S bis ca. +80 °C, TPU bis ca. +80–100 °C, TPE-V bis ca. +120 °C |
| Härtebereich | ~20 Shore A bis über 70 Shore D – von gelartig weich bis kunststoffhart |
| Stärken | thermoplastische Verarbeitung im Spritzguss und in der Extrusion ohne Vulkanisation; kurze Zykluszeiten; 2K-Verbund mit PP, ABS & Co.; rezyklierbar; nahezu frei einfärbbar |
| Grenzen | Druckverformungsrest und Kriechverhalten unter Wärme schwächer als bei vulkanisierten Elastomeren; Temperatur- und Medienbeständigkeit typabhängig begrenzt |
| Farben | nahezu frei einfärbbar, auch transluzent |
TPE sind keine Kautschuke nach ISO 1629; alle Angaben sind typabhängige Richtwerte aus der Beratungspraxis. Verbindlich sind die Werte der konkret ausgewählten Type – abgestimmt auf Medium, Temperatur und Einbausituation. Alle 13 Werkstoffe im Vergleich: Werkstoffübersicht.
Das Werkstoffprofil
TPE schließen die Lücke zwischen Gummi und Kunststoff: gummielastisches Verhalten, verarbeitet wie ein Thermoplast.
Anders als Kautschuke werden TPE nicht chemisch vulkanisiert . Ihre Elastizität entsteht durch physikalische Vernetzung: Harte Phasen (z. B. Styrol- oder Polypropylen-Domänen) halten weiche, elastische Phasen zusammen. Beim Erwärmen erweichen die Hartphasen – das Material lässt sich im Spritzguss oder in der Extrusion verarbeiten, wieder aufschmelzen und rezyklieren und direkt im 2K-Verfahren an Thermoplaste anspritzen.
Genau darin liegt auch die Grenze: Die physikalische Vernetzung gibt unter Dauerlast und Wärme nach – Druckverformungsrest und Kriechverhalten sind schwächer als bei Vulkanisaten . Für dauerhaft verpresste Dichtungen, heiße Medien oder hochdynamische Bauteile bleiben klassische Elastomere wie EPDM , NBR oder VMQ die erste Wahl – einen Gesamtvergleich bietet die Werkstoffübersicht .
- Thermoplastische Verarbeitung – Spritzguss und Extrusion ohne Vulkanisation, kurze Zykluszeiten
- 2K-Technik – direkter Verbund mit PP, ABS und anderen Thermoplasten für Hart-Weich-Bauteile
- Rezyklierbarkeit – Angüsse und Produktionsabfälle lassen sich wieder aufschmelzen
- Design und Konstanz – glatte Oberflächen, enge Toleranzen, nahezu freie Einfärbbarkeit
- Druckverformungsrest und Kriechen – unter Dauerlast und Wärme schwächer als vulkanisierter Gummi
- Heiße Öle, Dampf und Chemikalien – Temperatur- und Medienbeständigkeit typabhängig begrenzt
- Hochdynamische Dauerbelastung – klassische Vulkanisate wie NR sind hier überlegen
Chemische Beständigkeit von TPE
Richtwerte bei Raumtemperatur. Für die verbindliche Auslegung prüfen wir Ihre konkrete Medienliste gegen die Mischung.
- Wasser und wässrige Medien – bei moderaten Temperaturen – typabhängiger Richtwert
- Verdünnte Säuren und Laugen – viele Typen – typabhängiger Richtwert
- Alkohole – typabhängiger Richtwert
- Heiße Öle und Fette – Medienbeständigkeit typabhängig begrenzt
- Kraftstoffe und viele Lösungsmittel
- Dampf und dauerhafte Hitze – hier bleiben klassische Vulkanisate überlegen
Ob TPE oder klassisches Elastomer: Wir prüfen die Anforderungen – alle Werkstoffe in der Übersicht.
Typische Anwendungen
2K-Bauteile & Griffzonen
Hart-Weich-Verbunde, Griffe und Dämpfungselemente direkt im Mehrkomponenten-Spritzguss.
Dichtungen & Profile
Dichtungen und Profile mit moderaten Temperatur- und Medienanforderungen – wirtschaftlich in großen Serien.
Konsumgüter & Medizintechnik
Hautfreundliche Soft-Touch-Bauteile in freier Farbgebung – geeignete Typen auch für Lebensmittel- und Medizinanwendungen.
TPE bei SDGummi
Formteile
TPE-Formteile und 2K-Bauteile nach Ihrer Konstruktion, vom Prototyp bis zur Großserie.
Dichtungen
Dichtungen für moderate Temperatur- und Medienanforderungen – wirtschaftlich in Serie.
Profile
Voll- und Hohlkammerprofile als Meterware oder einbaufertig konfektioniert.
Schläuche
Schläuche und weiche Funktionsteile – typgerecht ausgelegt, auch transluzent oder farbig.
Häufige Fragen zu TPE
Antworten aus der Beratungspraxis. Für die verbindliche Auslegung zählen Ihre Medien-, Temperatur- und Bewegungsdaten.
Angebot anfragenIst TPE ein Gummi?
Nein, nicht im engeren Sinn. TPE sind keine Kautschuke nach ISO 1629, sondern eine eigene Werkstoffklasse (ISO 18064): Sie verhalten sich gummielastisch, sind aber nicht chemisch vulkanisiert, sondern über physikalische Vernetzung (Hart-Weich-Phasen) elastisch – und dadurch schmelz- und wiederverarbeitbar. Eigenschaften und Beständigkeit hängen stark vom Typ ab (TPE-S, TPE-V, TPU u. a.).
TPE oder EPDM – was ist besser für Dichtungen?
Für dauerhaft verpresste Dichtungen, Außeneinsatz über Jahre und höhere Temperaturen ist vulkanisiertes EPDM meist überlegen – vor allem beim Druckverformungsrest. TPE-V (vernetztes EPDM in PP) ist die wirtschaftliche Wahl für große Serien mit moderaten Anforderungen, kurzen Zykluszeiten und Rezyklierbarkeit.
Bis wieviel Grad ist TPE einsetzbar?
Das hängt stark vom Typ ab. Als Richtwerte: TPE-S bis ca. +80 °C, TPU bis ca. +80–100 °C, TPE-V bis ca. +120 °C; nach unten je nach Typ bis ca. −40 °C. Oberhalb dieser Bereiche – oder bei heißen Ölen, Dampf und Chemikalien – sind klassische Elastomere die richtige Wahl.
Sind TPE recycelbar?
Ja – das ist ein Kernvorteil gegenüber vulkanisiertem Gummi. TPE lassen sich wieder aufschmelzen; Angüsse und Produktionsabfälle können direkt in den Prozess zurückgeführt werden. Vulkanisate sind dagegen nicht wieder aufschmelzbar.
Wann ist klassischer Kautschuk die bessere Wahl?
Sobald dauerhafte Verpressung (niedriger Druckverformungsrest), hohe Dauertemperaturen, aggressive Medien wie heiße Öle, Dampf oder Chemikalien oder hochdynamische Belastung gefordert sind. Dann führen Vulkanisate wie EPDM , NBR oder VMQ – die Übersicht aller 13 Werkstoffe hilft bei der Vorauswahl.
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